Top 5 Hochzeitsfails

Seit inzwischen 6 Jahren bin ich Traurednerin und natürlich habe ich in dieser Zeit einige verrückte Dinge erlebt. Einige von euch haben mir geschrieben, dass sie sich wünschten, ich würde euch mal an meinen kuriosen Erlebnissen teilhaben lassen. Was für eine großartige Idee. 

Lange habe ich also darüber nachgedacht und habe euch nun die Top 5 Hochzeitsfails die ich selbst erlebt habe zusammengestellt.

Platz 5 – Der fehlende Bräutigam

Eine Hochzeit auf einem Eventbauernhof.  Alles war vorbereitet, Soundcheck war gemacht, alle Gäste waren anwesend und die Braut fieberte, versteckt im Gebäude, ihrem großen Auftritt entgegen. Einzig der Bräutigam und sein Trauzeuge fehlten. Inzwischen hätte die Trauung bereits beginnen sollen, aber von beiden fehlte jede Spur. Auch per Mobiltelefon waren sie nicht zu erreichen. Die Eltern von Braut und Bräutigam waren fieberhaft damit beschäftigt, zu versuchen herauszufinden, wo der Bräutigam abgeblieben ist und ich flitzte, zwischen der total aufgelösten Braut und der unsicheren Hochzeitsgesellschaft hin und her, um alle bei Laune zu halten. 

Endlich kam in einer Staubwolke das Auto des Trauzeugen angerast. Der Bräutigam stieg aus und schien die Ruhe selbst zu sein. Er verstand die ganze Aufregung gar nicht.

Gemeinsam mit seinem Trauzeugen war er Zuhause beim Ankleiden wohl zu schwunghaft in seine Hose gestiegen. Er blieb mit seinem Fuß irgendwie im Inneren der Hose hängen und riss mit seinem Fuß ein riesiges Loch in die Hose seines Hochzeitsanzugs. Auf diesen Schock tranken Bräutigam und Trauzeuge erstmal ein Bier, dann fuhren sie in die Stadt ins nächstgelegene Bekleidungshaus und kauften kurzerhand eine neue Hose. Glücklicherweise war der Hochzeitsanzug schwarz, so dass sich relativ schnell eine passende Hose fand. Ganz entspannt kleidete sich der Bräutigam dann vollends an und ließ sich von seinem Trauzeugen zur Location fahren.

Letztlich verzögerte sich die Trauung um fast eine Stunde und sorgte für ordentlich Wirbel bei Braut und Hochzeitsgesellschaft.

Platz 4 – Trauplatz-Security

Die Hochzeit fand in einer Mühle statt und das Trausetting war im Tal hinter der Mühle an einem romantischen Bachlauf vorbereitet.

Der einzige Zugang zum Trauplatz war über einen verträumten Weg der über eine Holzbrücke führte.

Ich war bereits vor Ort und habe meine Trauung vorbereitet und mich mit der Sängerin abgestimmt.  Irgendwann fiel mir jedoch auf, dass es doch wohl langsam Zeit würde, dass die Hochzeitsgesellschaft, sowie der Bräutigam eintreffen. 

Hochzeitsgesellschaft und Bräutigam wollten auch gerne zum Trauplatz kommen, doch hatte sich eine ganze Gänseschar vor der Brücke die zum Trausetting führte versammelt und war fest entschlossen, den Zugang zur Brücke mit ihrem Leben zu verteidigen. Da Gänse sehr gemein sein können war es nicht verwunderlich, dass sich niemand getraut hat, sich ihnen entgegen zu stellen. Erst nachdem der Besitzer der Vogelschar ermittelt war und er seine Schützlinge wieder eingesammelt hatte, konnte die freie Trauung wie geplant beginnen.

Platz 3 – Disharmonie

Die musikalische Untermalung der freien Trauung sollte durch einen Chor, bestehend aus den Freundinnen der Braut, mit Begleitung des Bräutigamvaters am Piano stattfinden. Ich habe die Songliste erhalten und habe die Lieder passend an den richtigen Stellen in die Trauzeremonie eingebaut. 

Der Freundinnenchor, wie auch der Bräutigamvater hatten vorab fleißig geübt und jeder beherrschte seinen Text und die Noten. Aufgrund der großen räumlichen Entfernung war es allerdings nicht möglich gewesen, dass die Sängerinnen und der Pianist zusammen probten. 

Als das erste Stück dargeboten werden sollte, stellte sich heraus, dass Chor und Piano zwar ihren Teil gut beherrschten, sie jedoch komplett in zwei unterschiedlichen Tonarten geprobt hatten. Leider passte nichts zusammen und die Mädels waren sichtlich irritiert von der schrägen Begleitung. Der Bräutigamvater spielte aber unerbittlich sein Repertoire durch. In der Zeremonie waren insgesamt 4 Lieder integriert und jedes einzelne Stück wurde auf diese sehr spezielle Art vorgetragen. Die Braut und der Bräutigam lächelten tapfer und ich denke, im Nachhinein können alle Beteiligten herzhaft darüber lachen. 

Platz 2 – Freischwimmer

Die Trauzeremonie im Wald, direkt am Ufer eines kleinen Sees. Ich stand mit dem Rücken zum See und das Brautpaar war ebenfalls halb seitlich mit dem See im Rücken platziert. Die Zeremonie war schön, die Gäste und das Brautpaar waren sehr berührt und der Fotograf der die Hochzeit begleitete war sehr engagiert und machte von jedem Moment Fotos. Gerade als wir ganz in eine Symbolik vertieft waren erklang ein Aufschrei der Hochzeitsgesellschaft mit einem unmittelbar gefolgten “Platsch” hinter unserem Rücken. Als ich mich umdrehte sah ich den Fotografen im See liegen, den Arm mit der Kamera nach oben ausgestreckt. Gott sei dank war der See nicht sehr tief, so dass der Fotograf es schaffte, bei seinem Sturz ins Wasser die Kamera zu retten, indem er sie am ausgestreckten Arm über Wasser hielt. Tatsächlich hat er den Rest der Trauung, sowie den Sektempfang tropfnass weiter fotografiert und ist erst später zum Umziehen kurz nach Hause gefahren. 

Platz 1 – Der perfekte WUFF-Moment

Dieser wundervolle Fail wird wohl für sehr lange Zeit meine Nr. 1 bleiben. Wir befanden uns gerade im Höhepunkt einer sehr emotionalen Trauung. Der Familienhund Barry, ein sehr großer Berner-Sennen-Hund, hatte die ganze Trauung durchschlafen und brauchte uns nun frisch erwacht die Ringe zu Ja-Wort. Da er nun schon wach war, wollte er gerne bei Herrchen und Frauchen bleiben und ließ sich nicht mehr weg schicken. Wir fuhren also fort mit der Zeremonie und Barry wollte gerne seinen Beitrag dazu leisten. Er drückte sich zwischen das Brautpaar, so dass das Anstecken der Ringe bereits auf Abstand erfolgen musste. Da ihm aber nach seiner eigenen Einschätzung immer noch nicht genügend Aufmerksamkeit zuteil wurde, begann er, jeden Satz den ich sprach mit einem lauten WUFF zu kommentieren. Inzwischen war die Romantik den Augenblicks verflogen, da Gäste und Brautpaar bereits Tränen lachten. Deshalb nutzte ich die Situationskomik und stellte der Braut die letzte Traufrage und bat sie mit einem deutlichen WUFF zu antworten. Die Braut verstand den Witz holte Luft zur Antwort und in dem Moment als sie den Mund zur Antwort öffnete ließ Barry an ihrer Stelle ein lautes WUFF vernehmen. 

Diesen Moment hätte niemand je so planen können. 

Das waren meine Top 5 Hochzeitsfails. 

Liebe zukünftige Brautpaare. Ich möchte euch mit auf den Weg geben, dass nicht alles im Leben planbar ist und Perfektion nicht immer das Ziel sein sollte. Lasst euch auch Raum für Individualität. Nach 10 Jahren wird sich niemand mehr an die Farbe eurer Servietten erinnern, aber jeder wird noch davon reden, wie der Hund der Braut das Ja-Wort abgenommen hat.